"Autismus Burgenland" – ein Verein stellt sich vor

Motivation und Vereinsziele:

Unser Verein wurde im August 2005 aus der Notwendigkeit heraus gegründet, dass es im Burgenland keine Anlaufstelle für Menschen mit Autismus gegeben hat. Dabei sind allein im Burgenland ca. 3000 Menschen (1Prozent der Bevölkerung) vom Autismus betroffen. Die nächsten Beratungsstellen für autistische Menschen befinden sich erst in Graz und Wien, wobei hier lange Anfahrtswege und Wartezeiten anfallen, d.h eine schnelle und effiziente Hilfe für die Betroffenen war bis zur Gründung unseres Vereins nicht möglich.
Mit dem Verein "Hilfe für autistische Menschen im Burgenland" wollen wir Betroffenen und deren Angehörigen auch in unserem Bundesland eine zentrale Anlaufstelle anbieten, in der die Früherkennung, Beratung, Information und Therapie im Vordergrund stehen. Neben der therapeutischen Arbeit mit den Betroffenen ist es Ziel des Vereins, auch die Angehörigen zu begleiten. Wir wollen ihnen das Zusammenleben mit dem autistischen Kind erleichtern und auch Hilfe zur Selbsthilfe anbieten.

Tätigkeitsbereiche

Diagnostik:

Eine frühzeitige Diagnostik ist für die Entwicklung und Förderung des autistischen Kindes von großer Bedeutung. Die Diagnostik im Bereich Autismus ist sehr umfassend, da es sich um ein komplexes Störungsbild handelt. Damit man sich ein genaues Bild von den individuellen Fähigkeiten und Problemen des betroffenen Kindes machen kann, benötigt man für die Begutachtung mehrere Stunden.
Die Betroffenen werden mittels einer speziellen Diagnostischen Beobachtungsskala für Autistische Störungen – ADOS – untersucht. Falls keine aktuellen Daten über den Entwicklungs- und Intelligenzstand des Kindes vorliegen, besteht auch die Möglichkeit, zusätzlich entwicklungs- und intelligenzdiagnostische Verfahren einzusetzen. Natürlich gehört zur Begutachtung auch ein ausführliches Anamnesegespräch mit den Eltern bzw. Bezugspersonen des betroffenen Kindes. Nach Abschluss der Diagnostik werden die Eltern über Beobachtungen und Ergebnisse informiert. Zusätzlich erhalten sie Informationen darüber, welche Möglichkeiten der Förderung und Therapie wir anbieten können. Die Ergebnisse der Begutachtung werden in einem klinisch- psychologischen Befund festgehalten. Durchgeführt wird die Diagnostik von einer klinischen Psychologin. Sie hat an einer mehrtägigen Einschulung zur Diagnostik mittels ADOS teilgenommen.

Therapie:

Für den Verein sind momentan vier Therapeutinnen tätig, die alle über eine pädagogische Grundausbildung (zwei Psychologinnen, zwei Sonder- und Heilpädagoginnen) verfügen und ihren beruflichen Schwerpunkt in der Arbeit mit autistischen Kindern und Jugendlichen gesetzt haben.
Die Therapeuten arbeiten flächendeckend im Burgenland. Unser Vereinssitz befindet sich in Bad Tatzmannsdorf, es bestehen jedoch die Bestrebungen auch im Norden und im mittleren Burgenland Zweigstellen aufzubauen. Die Therapien finden üblicherweise einmal pro Woche bzw. vierzehntägig statt.

Da die problematischen Verhaltensweisen autistischer Kinder oft dazu führen, dass das familiäre Umfeld völlig überlastet ist, sind wir Therapeuten Ansprechpartner für die Angehörigen, helfen ihnen bei der Bewältigung von Alltagssituationen, unterstützen und beraten sie. Wir legen sehr viel Wert auf eine gute Zusammenarbeit mit den Eltern. Sie sollen während der Therapien soweit es möglich ist dabei sein und werden von uns auch zu Co-Therapeuten ausgebildet. Das heißt, wir zeigen den Eltern, wie sie mit den Kindern effizient spielen und arbeiten können und entwickeln ein Therapieprogramm, das auch zu Hause mit dem Kind durchgeführt werden soll. Bei Bedarf werden die Therapien auch in Form von Hausbesuchen durchgeführt.
Neben der einzeltherapeutischen Förderung, in der vor allem die kognitive Entwicklung des Kindes im Vordergrund steht, legen wir auch viel Wert auf das Training sozialer Fertigkeiten. Wir bieten deshalb auch sog. "soziale Gruppen" an. Das Ziel dieser Gruppen besteht vor allem darin, Kindern mit Autismus Erfahrungen in einem sicheren und übersichtlichen sozialen Kontext zu ermöglichen und Kontakte mit Gleichaltrigen anzubahnen bzw. eine Gruppenidentität zu erzeugen.
Es ist auch eine Rhythmikgruppe in Planung.

Therapiekonzept:

Grundlage der therapeutischen Förderung sind die Involvierungstherapie und multifunktionelle Fördertherapie nach Muchitsch.

Bei der Involvierungstherapie handelt es sich um einen verhaltenstherapeutischen Ansatz, der zu Beginn den Charakter einer Spieltherapie hat. Der Therapeut nutzt die stereotypen Spiele und Tätigkeiten, um mit den Kindern Kontakt aufzunehmen und eine Beziehung zu diesen aufzubauen. Man richtet sich nach dem autistischen Kind und macht mit in seiner Welt. Die stereotypen Tätigkeiten werden zum Ausgangspunkt und Verstärker für eine Verhaltensänderung. Die Spiele werden schrittweise modifiziert, indem sinnvolle Handlungsabläufe vor- und eingeschaltet werden.
Bei der multifunktionellen Fördertherapie geht es darum, verschiedene Fähigkeiten, die bei den autistischen Kindern nicht bzw. nicht ausreichend vorhanden sind aufzubauen bzw. zu fördern. Es gibt spezielle Übungsprogramme zum Erlernen des Rechnens, Schreibens und Lesens und Aufbauprogramme in Deutsch und Mathematik.

Vorstand:

Präsidentin: Dr. Jutta Lindau-Ochsenhofer
Präsidentin-Stv.: Mag. Nicole Bogner-Strobl
Schriftführerin: Ingrid Wachter
Schriftführerin-Stv.: Mona Müller
Kassier: Beate Schwab-Tantsits
KassierStv.: Dr. Klaus Abraham